Profil - Gudrun Ude
Interview
Häufige Fragen meiner Kunden:
- Was meinen Sie mit „Anders-Sein verbindet“?
- Was verstehen Sie unter Andersartigkeit?
- Warum ist es für viele so schwierig, mit Andersartigkeit umzugehen?
- Was waren die drei wichtigsten Stationen in Ihrem Leben?
- Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
- Was ist Ihre größte Stärke in der Arbeit mit Kunden?
1) Was meinen Sie mit „Anders-Sein verbindet“?
Damit meine ich beispielsweise, dass Sie schon dadurch, dass Sie die Vielfalt in Ihrer Organisation wahrnehmen, viele neue Ideen bekommen, Sie entdecken neue Perspektiven und neue Ressourcen (z. B. Fremdsprachen) und können diese gezielt nutzen. Und indem Sie Menschen aus anderen Kulturen einstellen, können Sie unter anderem neue Kundengruppen im Einwanderungsland Deutschland ansprechen und gewinnen.
Darüber hinaus leben wir in einer globalisierten Welt und sind einer der Exportmeister: Über Mitarbeiter mit anderem kulturellen Hintergrund ist der Zugang zu ausländischen Kunden und Märkten leichter zu finden.
Wer Mitarbeiter einstellt, sollte nicht nur die stromlinienförmig passenden auswählen, sondern auch die vermeintlich weniger angepassten, denn die liefern höchstwahrscheinlich auch spannende, weil ungewöhnliche Ideen.
Wie wir alle wissen, wird sich der demografische Wandel in Deutschland in den nächsten Jahren immer stärker bemerkbar machen, so dass wir zunehmend auf die Kompetenz, das Potenzial und die Erfahrungen von älteren Mitarbeitern angewiesen sein werden – auch um den wachsenden Markt der älteren Kunden mit entsprechenden Produkt-Innovationen zu bedienen.
Mit „Anders-Sein verbindet“ meine ich zudem, dass es sich lohnt, vermeintlich verrückte Ideen ernster zu nehmen als bisher, um das Innovationspotenzial auszuschöpfen.
Eine McKinsey-Studie – veröffentlicht im Jahre 2008 – weist nach, dass durch mehr Frauen im Top-Management ( was noch selten und anders und besonders ist in Deutschland ) Unternehmen erfolgreicher sind, bzw. werden.
Außerdem kann jeder durch den Mut zum persönlichen Anders-Sein mehr Zufriedenheit erlangen, denn nur wer zu sich steht, findet den für sich passenden Job, kann dadurch mehr leisten und wirklich Freude an der Arbeit haben.
Durch viele unterschiedliche bzw. andersartige Menschen in Ihrer Organisation werden die Blickwechsel-Kompetenz und das flexible Denken sehr gefördert. Und dadurch erhöhen sich wiederum die Kreativität und das Innovationspotential. Eine Positivspirale also …
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2) Was verstehen Sie unter Andersartigkeit?
Zur Andersartigkeit gehören für mich die Diversity-Aspekte: Geschlecht, Alter, Religion, ethnische Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Körperlichkeit (Größe, Statur, physische Merkmale).
Hinzu kommen aber auch Aspekte wie Bildung, Kultur, Subkultur, Kommunikationsstil, persönliche Einstellung, soziale Herkunft etc.
Häufig können schon kleine abweichende Verhaltensweisen, z. B.. beim Essen, Befremden auslösen und für Distanz sorgen.
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3) Warum ist es für viele so schwierig, mit Andersartigkeit umzugehen?
Weil wir eine natürliche Neigung zur Homogenität haben, zu Menschen, die so „ticken“ wie wir. Dann fühlen wir uns sicher und bestätigt in unserem So-Sein. Alles Unvertraute macht vielen von uns erst einmal Angst. Ob unterschiedliche Denkweisen (linear vs. assoziativ und damit oft chaotisch anmutend), andere Temperamente, Tempi, Arbeitsweisen, andere Stärken oder Schwächen ... Und das kann extrem nerven und anstrengend sein, denn wir fühlen uns unsicher oder in Frage gestellt. Daher kommt es häufig zu Reibungen und schließlich zu Konflikten. Und diese verstärken – wenn es schlecht läuft – wiederum die Angst …
Besonders stark wird diese Bedrohung von Menschen empfunden, die schon seit langem – häufig seit Jahrzehnten – in festen bis erstarrten Strukturen arbeiten. Stehen dann Veränderungen an, fällt es den Betroffenen oft schwer, damit umzugehen, da sie sich in ihrem Denken und Verhalten so stark an das Bestehende gewöhnt haben. Es vermittelt ihnen Sicherheit. Daher ist es überaus wichtig, dieses Sicherheitsbedürfnis sehr ernst zu nehmen. Andernfalls äußert es sich während eines Veränderungsprozesses als offener oder versteckter Widerstand oder gar als Sabotage.
Druck auszuüben ist also kontraproduktiv. Nur wer den Betroffenen Mut macht, Mut zu mehr Vielfalt im Sinne einer Bereicherung des Bestehenden, dem gelingt es, ihnen die Augen zu öffnen für die Chancen des Neuen und Anderen und sie neugierig zu machen.
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4) Was waren die drei wichtigsten Stationen in Ihrem Leben?
Die erste wichtige Station war meine Schulzeit. Ich hatte Lehrer, die unsere speziellen Talente entdeckten und förderten – und uns Mut machten, eigene Meinungen zu bilden und dazu zu stehen. So begann ich früh, meinen eigenen Weg zu gehen und nicht mit der Masse mitzuschwimmen.
Meine zahlreichen Reisen waren die zweite wichtige Station in meinem Leben. 1978 reiste ich für sechs Wochen mit drei Freundinnen nach Israel: Drei Wochen waren wir in einem Kibbuz, um dort zu arbeiteten; drei Wochen reisten wir durch Israel. Im darauf folgenden Jahr sollte es nach Kanada gehen, aber meine Freundinnen sagten ab. So entschied ich mich, mein Traumland alleine zu erkunden. Es war Abenteuer pur: die erste Reise allein mit dem Rucksack … und der Auftakt zu zahlreichen weiteren Entdeckungsreisen, unter anderem nach Indien, Nepal, Ceylon, Peru, Ecuador, Galapagos, Australien. Jede Reise war eine neue Herausforderung. Ich lernte viel über die jeweiligen Kulturen, aber auch über mich selbst und meinen eigenen kulturellen Hintergrund. Und ich lernte, mich in fremden Kulturen durchzuschlagen, mit schnell wechselnden Situationen klarzukommen, andersartige Menschen einzuschätzen und persönliche Krisen zu bewältigen. Davon profitierte ich auch sehr in meiner beruflichen Arbeit im Dienstleistungsbereich: in der Gastronomie, als Studienreiseleiterin und auch heute als Beraterin.
Eine dritte wichtige Station begann mit meiner Tätigkeit für unterschiedliche Reiseveranstalter. Die Reisen auf verschiedene Kontinente waren für mich wie ein praktisches Psychologie-Studium. Denn nun war ich dazu aufgefordert, mit unbekannten und oft sehr heterogenen Gruppen in andersartige Kulturen einzutreten, unterschiedliche Schwierigkeiten zu regeln und zu einem großartigen Reise-Erlebnis beizutragen. So lernte ich, mich im Dschungel ebenso sicher zu bewegen wie im Luxushotel. Ich trainierte Schlichtung, Deeskalation, verfeinerte mein Einfühlungsvermögen und nutzte mein Talent der „interkulturellen Vermittlung“. Meine wichtigste Erfahrung in dieser Zeit: Die Stärken der Andersartigkeit zu erkennen und zu schätzen schafft enormen Raum für erstaunlich positive gemeinsame Erlebnisse.
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5) Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Ganz klar: auf alle Mitarbeiter bzw. Mitarbeiter-Gruppen zuzugehen, Kontakt zu ihnen herzustellen und Vertrauen aufzubauen. Auf diese Weise kann ich sie ermutigen, ihre Gedanken, Beobachtungen und Erfahrungen offen zu äußern und ihre Ideen einzubringen. Dabei lernen die Mitarbeiter, ihre jeweiligen Stärken zu schätzen, sie nutzen das vorhandene Potenzial an Wissen und Ideen, finden sogar erfahrungsgemäß die besseren Lösungen als manche Experten – und vor allem: Jeder geht mit.
Besonders wichtig ist mir ein wertschätzender und respektvoller Umgang mit den jeweiligen Menschen und ihren Lebens- und Berufs-Erfahrungen. Das verändert das zwischenmenschliche Klima, erhöht die Motivation und stärkt die Gesundheit. Dazu gehören für mich auch positive Denk-Bilanzen. Denn die meisten von uns neigen dazu, sich immer wieder vor Augen zu führen, was sie alles nicht geschafft haben. Das nimmt uns Kraft und demotiviert. Das „Positivbilanzieren“ hingegen verändert die Perspektive und stärkt uns – auch und gerade in Veränderungsprozessen.
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6) Was ist Ihre größte Stärke in der Arbeit mit Kunden?
Bislang konnte ich mit jedem Menschen ins Gespräch kommen, einen Zugang zu ihm finden – ob per Smalltalk oder über fachliche Inhalte, ob nun Wissenschaftler, Gerichtspräsident, Staatsanwältin, Diplomat, Vertriebler, Techniker, Produktionsmitarbeiterin oder Vorstand.
Mir fällt es leicht, das Eis zu schmelzen und in einer Veranstaltung Kontakt und Vertrauen herzustellen bzw. Brücken zwischen Menschen zu bauen, die sich sonst eher meiden würden: Die Vorstands-Vorsitzende und der Pförtner, der Abteilungs-Leiter und der Registratur-Mitarbeiter, die Ministerial-Beamtin und der Mitarbeiter nachgeordneter Behörden ... Es gelingt mir meistens, eine ernste und dennoch lockere Arbeits-Atmosphäre zu schaffen – und oft auch, kaputte Verbindungen zu kitten und Kontakte neu zu beleben. Dabei hilft mir meine ernsthaft-heitere Art.
Voraussetzung für diese Kontakt-Stärke ist sicherlich meine Empathie. Nur dank ihr gelingt mir das Kontakten und Verbinden.
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